Überblendbetrieb

Als das Filmmaterial noch aus brennbaren Nitrofilm bestand, durften die Filmrollen in den Projektoren nur in Feuerschutztrommeln vorgeführt werden. Standardlänge eines Filmaktes sind 600m (= 22 Minuten). Damit dem Publikum ein Film ohne Unterbrechung gezeigt werden konnte, mussten zwei Projektoren eingesetzt werden, welche nach einem Akt von einem Projektor zum anderen überblendeten.

Jeder Akt hat ein Startband und ein Endband. Auf dem Startband ist ein Startfenster und ein Zahlen-Countdown zu sehen. Der Filmvorführer legte den Film so ein, dass das Startbild im Bildfenster der zweiten Maschine eingelegt war. Wenn auf dem ersten Projektor die Filmrolle sich dem Ende neigte, schaute der Filmvorführer durch das Projektionsfenster und wartet bis er auf der Leinwand im rechten oberen Bereich des Bild einen Punkt sehen konnte. Damit startete der Filmvorführer die zweite Maschine. Dann wartete er bis er im rechten oberen Bildbereich einen weiteren Punkte sieht, dem sogenannten Überblendzeichen. Das war für ihn das Signal zu überblenden. Das bedeutet, dass auf dem ersten Projektor die Bildklappe schließt und auf dem zweiten Projektor die Bildklappe geöffnet wird. Auch der Ton wird vom ersten auf den zweiten Projektor umgeschaltet.

Nach dieser Überblendung nahm der Filmvorführer den Film aus dem ersten Projektor, spulte diesen auf einem Filmumroller wieder auf Anfang und legte dann den nächsten Filmakt in den ersten Projektor auf das Startbild des Startbands ein. Danach wiederholt sie der Vorgang solange bis der gesamte Film gezeigt wurde.

In der Regel waren in den Vorführräumen in den Zeiten des Überblendbetriebs zwei Personen tätig. Ein Filmvorführer und einer, welcher am Umroller tätig war.

Im Universum Filmtheater wurde von 1955 bis 1972 im Überblendbetrieb vorgeführt. 1962 wurden die beiden Projektoren vom Typ Ernemann VIII durch zwei Projektoren vom Typ Ernemann X mit 1.800m-Feuerschutztrommeln und Ernemat I ersetzt. Somit konnte direkt drei Akte auf einer 1.800m-Spule zusammengesetzt werden, was etwa einer Stunde Film entsprach. Somit konnte in der Regel ein Hauptfilm auf zwei 1.800m-Spulen vorbereitet werden, so dass pro Vorführung nur noch eine Überblendung stattfinden musste. Durch die Automatisierung mit Ernemat I wurde durch einen induktiven Abtaster die Überblendung vollautomatisch durchgeführt. Da die meisten Filme in dieser Zeit aus fünf Akten bestanden, konnten somit das Vorprogramm und der Hauptfilm auf zwei 1.800m-Spulen untergebracht werden. Ein Fimvorführer braucht somit nur noch am Anfang der gesamten Vorführung den Film einzulegen. 1972 wurde der rechte Projektor entfernt und durch eine Filmtelleranlage ersetzt. Somit war ein Überblendbetrieb nicht mehr notwendig. Damit durften in diesem Filmtheater nur noch Sicherheitsfilme vorgeführt werden.